ÜSMEV.gif (155161 Byte)                                                                    Hansestadt Rostock

Die Entstehung des Eisenbahnknotens Rostock

Mecklenburg ist ein flaches und hügeliges Land, welches von Südost nach Nordwest von den Ausläufern der eiszeitlichen Endmoränen durchzogen wird. Die alten gewachsenen Handelswege durchliefen Mecklenburg von:

            Norden nach Süden

            Westen nach Osten

Hierbei hatten dieselben sehr viele Flussniederungen und Höhenzüge zu überwinden. Hinzu kommt, dass Mecklenburg ein dünn besiedeltes und landwirtschaftlich ausgerichtetes Land war. Für die Großgrundbesitzer waren durch einen Eisenbahnbau durchaus die weiterverkehrliche Erschließung des Landes zu erwarten, jedoch waren sie nur bedingt bereit Konsequenzen für den Bahnbau zu ziehen.

Das Land Mecklenburg bestand bis zum 19. Jahrhundert aus den Landesteilen:

            Mecklenburg-Schwerin

            Mecklenburg-Strelitz

            und dem Fürstentum Ratzeburg.

Als Verkehrsmittel reichte bis weit in das 19. Jahrhundert hinein das klassische Pferdefuhrwerk aus. Als öffentliche Verkehrsunternehmen existierte für die Personen- und Nachrichtenbeförderung die Post mit ihren "Postcoursen". Den Güterverkehr besorgten Spediteure, die mit ihren Fuhrwerken die Waren vom Absender direkt zum Empfänger brachten.

Etwa ab 1850 entstanden in Mecklenburg Chausseen als "jederzeit befahrbare Straßen" . Sie verbanden zuerst die großen Städte und wichtigen Zentren in Mecklenburg: Wismar, Rostock, Schwerin, Güstrow, Malchin und Neustrelitz. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts nahm durch die einsetzende Intensivierung in der Landwirtschaft die Menge der zu transportierenden Güter zu. Hier sind vor allem solche Güter zu nennen, wie Getreide, Zuckerrüben, Kartoffeln, aber auch Brennstoffe und Mineraldünger. Diese Mengen zu transportierender Güter verlangten nach einem neuen Transportmittel - der Eisenbahn! Friedrich List veröffentlichte 1833 seinen Plan eines deutschen Eisenbahnnetzes, in dem allerdings Mecklenburg nicht berücksichtigt wurde. Der Grund hierfür lag einfach darin, dass Mecklenburg nicht dem Deutschen Zollverein angehörte. Lübeck und Stettin als Mitglieder des Deutschen Zollvereins waren als Endpunkte von Eisenbahnstrecken auserchoren worden - warum nicht die Eisenbahn zwischen diesen wichtigen Orten über mecklenburgisches Gebiet führen? Hiervon wollte als erste mecklenburgische Stadt die Stadt Wismar profitieren, die sich bereits 1835 um einen Eisenbahnanschluss nach Boizenburg bemühte. Damit würde dem Wege nach Hamburg, Magdeburg und Berlin nichts mehr im Wege stehen. Durch viele Intrigen und durch zähe Verhandlungen gelangte dieses Vorhaben ins Stocken. Aber es gab eine drastische Veränderung der Situation, als 1841 Preußen, Mecklenburg-Schwerin und Dänemark (für das Herzogtum Lauenburg), sowie Hamburg und Lübeck einen Staatsvertrag über den Bau einer Eisenbahn Hamburg - Berlin abschlossen. Der erste Spatenstich erfolgte im Bahnhof Ludwigslust im Mai 1844 und am 15. Dezember 1846 konnte der Gesamtbetrieb Hamburg - Berlin aufgenommen werden.

Rostock war bis dato immer noch ohne Eisenbahnanschluss. Nun überstürzten sich die Ereignisse, denn bereits am 1. Mai 1847 konnte in Mecklenburg die Hagenow nach Schwerin eröffnet werden, die zum 12. Juli 1848 nach Wismar verlängert wurde.

Eisenbahn Kleinen - Rostock

Von Kleinen (heute Bad Kleinen) an der Strecke Hagenow - Wismar wurde dann endlich am 13. Mai 1850 die Strecke nach Rostock über Bützow in Betrieb genommen, die ebenfalls den Anschluss von Güstrow über Bützow an das Eisenbahnnetz brachte.

   

Die ersten Eisenbahnstrecken in Mecklenburg

Eisenbahn Wismar – Rostock

Nach der Betriebsaufnahme auf der Hauptbahn Schwerin – Rostock dauerte es infolge Uneinigkeiten zwischen den beiden Städten fast 33 Jahre, bis die Strecke Wismar – Rostock über Bad Doberan gebaut werden konnte und in Betrieb ging.  Im Gegensatz zur Strecke Schwerin – Rostock/Güstrow wurde diese Strecke von der privaten Wismar-Rostocker-Eisenbahngesellschaft auf dem Abschnitt Wismar – Rostock F.F.B mit einer Länge von 58,64 km gebaut und konnte am 22. Dezember 1883 den Betrieb aufnehmen.

Eisenbahn Neustrelitz – Waren/Müritz – Plaaz - Laage – Rostock Loyd-Bf – Warnemünde

Zur Anbindung der Reichshauptstadt Berlin, zur effektiveren Verkehrsanbindung Rostocks an das mitteldeutsche und süddeutsche Eisenbahnnnetz und Abwicklung des Trajektverkehrs mit Dänemark von Warnemünde nach Gedser wurde am 1. Juli 1886 die direkte Verbindung von Neustrelitz nach Rostock-Lloyd-Bf und Warnemünde über Waren/Müritz in Betrieb genommen.

Weitere Nebenbahnen im Raum Rostock

Zur Verbindung der Seestadt Rostock mit Stralsund entstand der dringende Wunsch zum Aufbau einer Eisenbahnverbindung. Dieser wurde mit der Betriebsaufnahme der Strecke Stralsund – Ribnitz – Damgarten – Rostock am 1. Juni 1889 in die Tat umgesetzt. Dieses Strecke wurde von der preußischen Staatsbahn als Nebenbahn errichtet und betrieben.

Nach gleichen Baugrundsätzen wurde die Strecke Rostock – Triebsees über Bad-Sülze errichtet, die in Sanitz einen Abzweig nach Tessin bekam.

Zudem wurde am 2. Juli 1925 eine Nebenbahn von touristischer Bedeutung von Rövershagen (an der Strecke Rostock – Stralsund gelegen) in Betrieb genommen.

Mit allen diesen Strecken hat Rostock sich durch die Erschließung von einer Hauptbahn und 6 Nebenbahnen zu dem wichtigen Eisenbahnknoten in Mecklenburg entwickelt.

In Mecklenburg gab es bis 1889/90 9 Eisenbahngesellschaften. Wie bei der Kleinstaaterei, so stellte auch bei der Eisenbahn die Zersplitterung ein großes Problem für das weitere wirtschaftliche Wachstum der Region dar. 1889/1890 wurde eine Verstaatlichung eingeleitet. Der Sitz der neuen staatlichen Eisenbahngesellschaft wurde Schwerin und die neue Gesellschaft firmierte fortan unter dem Namen "Großherzoglich-Mecklenburgische-Friedrich-Franz-Eisenbahn", abgekürzt auch als M.F.F.E. bekannt geworden.

Die gestiegenen Anforderungen an die Eisenbahn in den 30-er Jahren bewirkten einen Umbau der Strecke Stralsund – Rostock in einen eingleisige Hauptbahn, die ab 1925 als solche betrieben wurde. Ein gleicher Ausbau sollte ab 1930 mit der Strecke Rostock – Bad-Doberan vonstatten gehen. Dieser Umbau ist infolge der politischen Entwicklung in Deutschland nicht realisiert worden.

In der Zeit nach 1945 wurden viele Strecken Mecklenburgs ihres 2. Gleises bzw. ihrer gesamten Schienen beraubt. Hierzu zählt die wichtige Strecke Schwaan – Rostock und die Lloyd-Bahn im Abschnitt Lalendorf – Neustrelitz. Für viele Jahre war die Hafenstadt Rostock nur über den Weg Neubrandenburg – Stralsund – Ribnitz – Damgarten erreichbar. Die Situation entspannte sich, als 17. November 1948 die Strecke Schwaan – Rostock eingleisig wieder aufgebaut wurde. Das 2. Gleis wurde erst in den Jahren 1974/1975 verlegt im Zusammenhang mit dem Ausbau der Strecke Rostock – Bützow – Bad-Kleinen – Schwerin für eine Entwurfsgeschwindigkeit von Vmax = 160 km/h. Der wirtschaftlich Aufbau in der DDR erforderte den totalen Neubau eines Großhafens, über den der Schiffsverkehr mit den Ostseestaaten, aber auch Übersee effektiv möglich wurde. Es wurde frühzeitig und richtig erkannt, dass die Eisenbahn bei einem solchen Projekt eine tragende Säule bilden muss. Zu diesem Zweck wurde die als Reparationsleistung vollständig abgebaute Lloyd-Bahn im Abschnitt Neustrelitz – Lalendorf mit Einbeziehung der Reststrecke Rostock – Laage – Plaaz – Lalendorf mit teilweise Neutrassierung völlig neu aufgebaut. Zur Entlastung des Eisenbahnknotens Rostock erhielt diese nun als Überseehafen-Abfuhrmagistrale bezeichnete Strecke in Kavelsdorf eine direkte Verbindung zum neu entstanden Überseehafen.

 

Der Eisenbahnknoten Rostock, auch im "Zeitalter der DB-AG" der wichtigste Eisenbahnknotenpunkt 

Dr. Wolfgang Kabatzke

MEV Rostock 26.01.2009

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