
Brückenschlag über die Ostsee - Die Fährverbindung Rostock - Gedser
100 Jahre Fährverbindung Rostock - Gedser
Am 30. September 2003 jährte sich zum 100. Mal der Tag der
Eröffnung der Fährverbindung Warnemünde (Rostock) -
Gedser.
Wie alles begann:
* 19. Mai 1873 - Einrichtung der Postdampferverbindung Rostock - Nykøbing für die Monate April bis September
* 26. Juni 1886 - Eröffnung der ganzjährigen
Postdampferlinie Warnemünde - Gedser als Ersatz für die
Verbindung Rostock – Nykøbing
Die Verbindung wurde erst möglich nach Verlängerung der
Bahnlinie Berlin - Neustrelitz bis Warnemünde sowie auf Falster
von Nykøbing bis Gedser. Der Seeweg verkürzte sich
von 36 sm auf 24 sm.
* April 1900 -
Zustimmung zur Einrichtung der Eisenbahnfährverbindung
Warnemünde - Gedser durch den Mecklenburgische Landtag und der
dänische Rigsdag (heute Folketing) per Staatsvertrag
* September 1900 - Erster Spatenstich für den Umbau des Hafens von Warnemünde zum Fährhafen
Eine Erfolgsgeschichte nimmt ihren Lauf:
* 30. September 1903 - Eröffnung der Eisenbahnfährverbindung
durch den Mecklenburgischen Großherzog Friedrich Franz IV. und
den dänischen König Christian, Indienststellung der
Radfähren „Prinsesse Alexandrine“ und des deutschen
Schwesterschiffes „Friedrich Franz IV“.
Im ersten vollen Betriebsjahr wurden 80.103 Tonnen und 79.373 Passagiere befördert.
Die weitere wechselvolle Geschichte der
Fährverbindung Rostock - Gedser wird nicht nur von
wirtschaftlichen Bedürfnissen, sondern auch von vielen politischen
Ereignissen stark beeinflusst.
Aufschwung:
* 1905/06 - Verlängerung der beiden Fähren und Verlegung
eines zweiten Gleises auf Grund des großen Verkehrsaufkommens
* 1920 - Auflösung der Ländereisenbahnen und die
Gründung der Deutschen Reichsbahn in der Weimarer Republik
(Eingliederung der Fährschiffe und des Fährbetriebes)
* 1922 - Indienststellung des dänischen FS „Danmark“ (erster Neubau nach der Eröffnung)
* 1926 - Ablösung der „Friedrich Franz IV.“ durch das
FS „Schwerin“ (erstmals auch die Beförderung von Pkw
möglich)
Zeitweiliger Niedergang der Linie:
* 1939-1945 - Nutzung der Verbindung unter vorwiegend
militärischen Gesichtspunkten ( Februar 1944 erhält die
„Schwerin“ Bombentreffer und sinkt in der Rostocker
Neptunwerft, März 1945 wird die „Danmark“ in Gedser
versenkt)
* 10. Mai 1947 - Einseitige Wiederaufnahme des Fährverkehrs durch DSB mit der modernisierten „Danmark“
* 26. Mai 1963 - Einsatz des neuen DR-Fährschiffes
„Warnemünde“ (bis 1973 nur in den Sommermonaten auf
der Stammlinie, in den Wintermonaten auf der Linie Sassnitz -
Trelleborg im Einsatz)
* 1968 - Außerdienststellung der „Danmark“, als
Hauptfähre der DSB verkehrt die „Kong Frederik“,
zeitweise auch die „Dronning Ingrid“
* 1986 - Linienverkehr fast ausschließlich durch die
„Warnemünde“, Einsatz der dänische Fähre nur
noch drei Monate im Jahr
Entwicklung nach der Wiedervereinigung Deutschlands:
* 1990 - Wiederherstellung der gemeinsamen Nutzung der Fährlinie
Warnemünde – Gedser, paritätisch ein halbes Jahr durch
die dänische Fähre „Kong Frederik“, später
„Knudhoved“ und das deutsche Fährschiff
„Warnemünde“.
Durch die Wiedervereinigung erfolgte ein
zeitweiliges Wiedererstarken der Fährlinie, insbesondere im
Privatreiseverkehr. Auf Grund der jahrzehntelangen
Teilung
Deutschlands floss allerdings das Gros der Frachtverkehre über die
1963 gegründete Vogelfluglinie Puttgarden - Rødby.Wurden
1989 nur 385.600
Passagiere transportiert, so
waren es 1990 bereits knapp über 1 Million. Die Anzahl der
Reisezugwagen stieg im gleichen Zeitraum von 3.200 auf 5.250 an.
* 1. April 1993 -
Gründung der DFO durch die Zusammenlegung der
Fähraktivitäten der ehemaligen deutschen Bahnen (Deutsche
Reichsbahn und Deutsche Bundesbahn).
Die Infrastrukturelle Anbindung von Warnemünde
reichte nicht mehr aus, um den Anforderungen des Fracht- und
Pkw-Verkehrs zu entsprechen. Bereits ab Anfang der
90-er Jahre fährt das dänische Fährschiff
„Knudshoved“ ab dem Seehafen Rostock.
* 1994 – Beschlussfassung Dänemarks zur Einstellung des Bahnverkehrs nach Gedser ab Mitte 1995
Es wurden in1994 nur noch 4.500
Schienenpersonenwagen auf dieser Linie transportiert. Der
Schienengüterverkehr lief bereits seit Ende der 80er Jahre
über die Vogelfluglinie Puttgarden-Rødby.
* September 1995 -Einstellung des Fährverkehrs von Warnemünde nach Gedser
Die
ehemalige DFO zieht sich ganz aus dem Fährverkehr zurück. Die
DSB-Rederie (später Scandlines Danmark AS) verkehrt mit dem
Fährschiff „Knudshoved“
ab dem Rostocker Seehafen nach Gedser.
Hier existierte bereits seit Anfang 1991 Konkurrenz
durch die Europa-Linien mit den Fährschiffen „Rostock
Link“ und „Falster Link“.
* 1996 - Kauf der Europa Linien durch Scandlines Danmark AS,
gemeinsamer Einsatz der Schnellfähre „Berlin-Express“
und der konventionellen Fähre „Rostock Link“
Die Europa Linien und Scandlines Danmark A/S
transportieren in 1996 insgesamt auf dieser Linie 1,4 Mio Passagiere,
36.500 Lkw und fast 177.000 Pkw.
* März 1998 - Indienststellung der „Kronprins Frederik“
* 21. Juli 1998 – Gründung der Scandlines AG durch die
Fusion der Partnerreedereien DFO und Scandlines Danmark A/S
Durch diese Fusion erhielt die fast ein
Jahrhundert währende Zusammenarbeit zwischen den dänischen
und deutschen Bahnen und deren
Nachfolgegesellschaften, die mit dem Staatsvertrag über die
Einrichtung der Eisenbahnfährlinie Warnemünde - Gedser im
April 1900 begann, eine neue Qualität. Zwei
Partner, die trotz zweier Weltkriege und einer 40jährigen Teilung
Deutschlands immer partnerschaftlich zusammengearbeitet haben, sind nun
in einer
gemeinsamen Gesellschaft vereint.
* Juni 1999 - Außerdienststellung der Schnellfähre
„Berlin Express“ (Wegfall Duty - Free, zuwenig
Frachtkapazitäten) Indienststellung der „Dronning Margrethe
II“, Erhöhung der Frachtkapazitäten um 30%
Scandlines
entscheidet sich mit einer gemischten deutsch-dänischen Besatzung
das FS „Dronning Margrethe II“ zu betreiben. Erfolgreiches
Konzept, welches im Zeitalter der Globalisierung und
der Stärkung eines einheitlichen Europas für ein
international tätiges Unternehmen nur ein logischer Schritt sein
kann.
* 29.März 2001-
Indienststellung der „Prins Joachim“, dem Schwesterschiff
der „Kronprins Frederik“ (nahezu Verdopplung der
Frachtkapazitäten, moderne Serviceeinrichtungen für die
Passagiere)
* Mai 2001- Indienstellung des 3. Schiffes, der „Dronning
Margrethe II“ (Erhöhung der Abfahrtsfrequenz und
Transportkapazität, Abfahrten alle 2 Stunden je Richtung)
Dr. Wolfgang Kabatzke
MEV Rostock 15.10.2003
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