
Draisinenfahrt von auf der alten Kaiserbahn von Schmilau nach Hollenbek und retour am 02.06.2007
Im Vorfeld haben unsere Vereinsmitglieder die Neuerungen auf dem Bahnhof Schmilau erkundet. Speziell beäugten Dietmar (Vorsitzender) und Klaus (Schatzmeister) das Terrain. Es schien alles "ok" zu sein, oder?

Blick
auf den Startplatz derGroßdraisinen
Um 15:15 startete
unsere Draisine mit 10 Mann (und natürlich Frau) Besatzung nach
Hollenbek.
Leider hatte die WebCam an der Strecke Schmilau-Hollenbek wohl ihren Geist aufgegeben, denn die sonst beliebten Startbilder der Touren sind für diese Strecke seitens des Veranstalters nicht verfügbar.

Also ging es dann los. Das Stück nach Hollenbek hat es in sich, geht es doch ständig bergan. Da haben sich die Vereismänner kräftig ins Zeug gelegt. Nach ca. 1:15 Stunden hatten wir das Stück geschafft und kamen in Hollenbek an.
Das Baumwagenhotel im Bahnhof HollenbekUm ca. 16:30 Uhr fuhren wir dann voller Elan und Schwung zurück. Dieses Mal hatten wir Glück und konnten selber als "Renner" und "Einholer" auf die Strecke gehen. Leider hatte Mutter Natur uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn ca. 1,5 km vor dem Bahnhof Schmilau hatte am Bahndamm im sumpfigen Gelände ein ca. 20m hoher Baum auf die Schienen gelegt: Ende! Die letzten Meter mussten wir dann nach Schmilau laufen. Auch mal interessant, denn wir fühlten uns in die Arbeit eines Streckenläufers zurückversetzt.
Damit waren wir ca. 45Minuten später retour als erwartet. Dies gab ein leichtes Durcheinander in der Küche, aber das Essen hat uns allen dann doch sehr gemundet und für die Mühen des Tages entlohnt.
Draisine fahren
macht einfach Spaß - und natürlich Hunger!!
Es wird nicht die letzte Tour gewesen sein, aber warum nicht einmal in McPomm auf den Resten der Wismar-Karower-Eisenbahn (http://www.draisine-mecklenburg.de/main_str.htm) oder in Brandenburg im Raum Templin? Alles noch länger und vielleicht noch schöner? Auf jeden Fall ist unser wunderschönes Mecklenburg - Vorpommern immer eine Reise Wert!
Ein Nachtrag zur Strecke:
Gebaut wurde diese Bahnstrecke (die auch im Volksmund "Kaiserbahn" genannt wird) Ende des 19. Jahrhunderts auf den Wunsch Kaiser Wilhelms II hin. Der lebte von 1859 bis 1941 und wurde im Juni 1888 im Alter von 29 Jahren zum König von Preussen und zum Deutschen Kaiser berufen. Dieser Monarch, Schöpfer und Benutzer des letzten deutschen Hofzuges, liebte das Reisen mehr als alles andere und sprach im Jahr 1891 den lichtvollen Satz "Die Welt am Ende des 19. Jahrhunderts steht unter dem Zeichen des Verkehrs". Über die extreme Mobilität des Kaisers spotteten bereits damals die Zeitgenossen und reimten, sein Großvater sei der "greise Kaiser" gewesen, sein Vater der "weise Kaiser" und er selbst sei nun der "Reisekaiser". Eine Tageszeitung berechnete für ihn im Jahr 1894 nicht weniger als 199 Reisetage und etwa dreissigtausend abgefahrene Bahnkilometer.
Doch neben dem Spaß am Reisen hatte Kaiser Wilhelm II seine Reisen auch immer verknüpft mit Empfängen, Besuchen, Jagdausflügen und anderen Repräsentationspflichten, mit der Eröffnung großer Bauwerke, der Rekrutenvereidigung oder mit dem Besuch von Stapelläufen von Kriegsschiffen. Ein häufiges Reiseziel war der Marinehafen in Kiel und dies gab den Anlass zum Bau "unserer" Bahnstrecke als Teilstück der direkten Verbindung zwischen dem Regierungssitz in Berlin und dem Kieler Hafen.
der
Draisenabschnitt ist "pink" markiert Ein Blick auf die Karte zeigt, dass
die Bahnstrecke das heutige Herzogtum Lauenburg tatsächlich
relativ geradlinig von Südosten nach Nordwesten durchquert: Sie
zweigt in Hagenow-Land von der Hauptstrecke Richtung Hamburg ab und
führte über Zarrentin, Hollenbek, Schmilau und Ratzeburg nach
Bad Oldesloe und dann über Neumünster weiter bis Kiel.Am 15.
August 1897 konnte Eröffnung gefeiert werden. Kaiser Wilhelm II
persönlich gab sich die Ehre, den Streckenabschnitt zwischen
Zarrentin und Berkenthin der Preußischen Staatsbahn zu
übergeben. Und weil diese neue Zugverbindung über Ratzeburg,
Bad Oldesloe und Neumünster mit 154! km tatsächlich gut 25 km
kürzer war als die beiden anderen Alternativen zwischen Hagenow
und Kiel, nahm der Kaiser seitdem immer den Weg durch Hollenbek und
Schmilau, wenn er von der Reichshauptstadt zum sog.
"Reichskriegshafen", z.B. zur Kieler Woche, reisen wollte. So kam die
Strecke auch zu ihrem Namen "Kaiserbahn".
Doch noch ein bisschen wichtiger als der Faktor "Zeitersparnis" war die
Sicherheit des Staatsoberhauptes: Aus Angst vor Attentaten weigerte
sich Wilhelm II manchmal, über die Kanalbrücke bei Berkenthin
zu fahren. Dafür nahm er dann doch einen Umweg über
Lübeck in Kauf.
1952 wurden die Gleise seitens der DR
von Zarrentin bis zur deutsch-deutschen Grenze abgebaut, sodass von
Ratzeburg kommend nur noch 13 km Bahnstrecke lagen, die durch sehr
dünn besiedeltes Gebiet führte, bevor sie dann im Nirgendwo
endete - eben die heutige Draisinenstrecke. Während durch die DB
zwischen Hollenbek und Mölln nur noch für einige Jahre ein
kleiner Personenzug ("Hein Hollenbek") fuhr, bevor in den 1960er Jahren
jeglicher Bahnverkehr auf dieser Strecke eingestellt und auch diese
Gleise zurückgebaut wurden, wurde an der Strecke zwischen
Ratzeburg und Hollenbek noch lange festgehalten.
Der Personenverkehr wurde hier anfangs noch mit einem kleinen
Personenzug aufrecht erhalten. In den 1950er Jahren dann wurden
Haltepunkte in Klein Zecher, Hakendorf, Sterley und Althorst neu
eingerichtet und zusätzlich zu den Bahnhöfen Schmilau und
Hollenbek mit Schienenbussen bedient. . Diese "Ferkeltaxen" rentierten
sich etwa noch ein Jahrzehnt, ab Mitte der 1960er Jahre wurden die
Dienststellen in Hollenbek und Schmilau aufgelöst und keine
Fahrkarten mehr verkauft.
Die
Demontage der Gleise auf dem Gebiet der DDR von Zarrentin bis zur
Grenze erfolgte 1952.
Während der Personenverkehr auf dem westlichen Abschnitt zwischen
Ratzeburg und Klein Zecher bereits zum 03.09.1962 stillgelegt
wurde, fuhr der letzte Personenzug zwischen Hagenow und Zarrentin erst
im Mai 2000.