ÜSMEV.gif (155161 Byte)                                                                    Hansestadt Rostock

Draisinenfahrt von auf der alten Kaiserbahn von Schmilau nach Hollenbek und retour am 02.06.2007


Am 02.06.2007 startete der "harte Kern" des Mev mit Angehörigen seine 2. Draisinentour auf den Resten der ehemaligen "Kaiserbahn" von Schmilau nach Hollenbek. Das Wetter war an diesem Tage nicht so sonnig wie 2005, aber dies kam unserem Vorhaben entgegen. 

Im Vorfeld haben unsere Vereinsmitglieder die Neuerungen auf dem Bahnhof Schmilau erkundet. Speziell beäugten Dietmar (Vorsitzender) und Klaus (Schatzmeister) das Terrain. Es schien alles "ok" zu sein, oder?



Ein größer Höhepunkt nach dieser fast 18 km langen Tour (je 9 km Hin- und Rückweg) ist das Essen vom Schwenkgrill. Hoffentlich bleibt das Wetter trocken, denn ein zünftiges Essen kann nur im Freien starten.

    Blick auf den Startplatz derGroßdraisinen

Um 15:15 startete unsere Draisine mit 10 Mann (und natürlich Frau) Besatzung nach Hollenbek.

Leider hatte die WebCam an der Strecke Schmilau-Hollenbek wohl ihren Geist aufgegeben, denn die sonst beliebten Startbilder der Touren sind für diese Strecke seitens des Veranstalters nicht verfügbar.

Die Großdraisienen noch in "Ruhestellung"

Also ging es dann los. Das Stück nach Hollenbek hat es in sich, geht es doch ständig bergan. Da haben sich die Vereismänner kräftig ins Zeug gelegt. Nach ca. 1:15 Stunden hatten wir das Stück geschafft und kamen in Hollenbek an.

Als Besonderheit erwartete uns in Hollenbek das Baumwagenhotel. Dieses Hotel wurde von einem erzgebirgischen Künstler aus Einsiedel erschaffen und soll an ein Ereignis der letzten Kriegstage erinnern.
Baumwagenhotell in Hollenbek    Das Baumwagenhotel im Bahnhof Hollenbek

Um ca. 16:30 Uhr fuhren wir dann voller Elan und Schwung zurück. Dieses Mal hatten wir Glück und konnten selber als "Renner" und "Einholer" auf die Strecke gehen. Leider hatte Mutter Natur uns einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn ca. 1,5 km vor dem Bahnhof Schmilau hatte am Bahndamm im sumpfigen Gelände ein ca. 20m hoher Baum auf die Schienen gelegt: Ende! Die letzten Meter mussten wir dann nach Schmilau laufen. Auch mal interessant, denn wir fühlten uns in die Arbeit eines Streckenläufers zurückversetzt.

Damit waren wir ca. 45Minuten später retour als erwartet. Dies gab ein leichtes Durcheinander in der Küche, aber das Essen hat uns allen dann doch sehr gemundet und für die Mühen des Tages entlohnt.

    Draisine fahren macht einfach Spaß - und natürlich Hunger!!

Es wird nicht die letzte Tour gewesen sein, aber warum nicht einmal in McPomm auf den Resten der Wismar-Karower-Eisenbahn  (http://www.draisine-mecklenburg.de/main_str.htm)  oder in Brandenburg im Raum Templin? Alles noch länger und vielleicht noch schöner? Auf jeden Fall ist unser wunderschönes Mecklenburg - Vorpommern immer eine Reise Wert!

Ein Nachtrag zur Strecke:

Gebaut wurde diese Bahnstrecke (die auch im Volksmund "Kaiserbahn" genannt wird) Ende des 19. Jahrhunderts auf den Wunsch Kaiser Wilhelms II hin. Der lebte von 1859 bis 1941 und wurde im Juni 1888 im Alter von 29 Jahren zum König von Preussen und zum Deutschen Kaiser berufen. Dieser Monarch, Schöpfer und Benutzer des letzten deutschen Hofzuges, liebte das Reisen mehr als alles andere und sprach im Jahr 1891 den lichtvollen Satz "Die Welt am Ende des 19. Jahrhunderts steht unter dem Zeichen des Verkehrs". Über die extreme Mobilität des Kaisers spotteten bereits damals die Zeitgenossen und reimten, sein Großvater sei der "greise Kaiser" gewesen, sein Vater der "weise Kaiser" und er selbst sei nun der "Reisekaiser". Eine Tageszeitung berechnete für ihn im Jahr 1894 nicht weniger als 199 Reisetage und etwa dreissigtausend abgefahrene Bahnkilometer. 

Doch neben dem Spaß am Reisen hatte Kaiser Wilhelm II seine Reisen auch immer verknüpft mit Empfängen, Besuchen, Jagdausflügen und anderen Repräsentationspflichten, mit der Eröffnung großer Bauwerke, der Rekrutenvereidigung oder mit dem Besuch von Stapelläufen von Kriegsschiffen. Ein häufiges Reiseziel war der Marinehafen in Kiel und dies gab den Anlass zum Bau "unserer" Bahnstrecke als Teilstück der direkten Verbindung zwischen dem Regierungssitz in Berlin und dem Kieler Hafen. 

Zwar gab es schon eine Zugverbindung von Hagenow über Büchen und Hamburg, ebenso eine Route über Lübeck, aber der Kaiser wünschte sich eine ganz direkte Verbindung auf einer Strecke "dazwischen". Man sagt, der Kaiser habe schließlich ein Lineal auf die Landkarte gelegt, um den Verlauf der Strecke grob zu umreißen. Die Königliche Eisenbahndirektion Altona wurde mit der Planung beauftragt und führte die Grundstücksverhandlungen offensichtlich äußerst erfolgreich, denn der anvisierte Steckenverlauf konnte weitgehend realisiert werden.
Karte der Kaiserbahn    der Draisenabschnitt ist "pink" markiert

Ein Blick auf die Karte zeigt, dass die Bahnstrecke das heutige Herzogtum Lauenburg tatsächlich relativ geradlinig von Südosten nach Nordwesten durchquert: Sie zweigt in Hagenow-Land von der Hauptstrecke Richtung Hamburg ab und führte über Zarrentin, Hollenbek, Schmilau und Ratzeburg nach Bad Oldesloe und dann über Neumünster weiter bis Kiel.Am 15. August 1897 konnte Eröffnung gefeiert werden. Kaiser Wilhelm II persönlich gab sich die Ehre, den Streckenabschnitt zwischen Zarrentin und Berkenthin der Preußischen Staatsbahn zu übergeben. Und weil diese neue Zugverbindung über Ratzeburg, Bad Oldesloe und Neumünster mit 154! km tatsächlich gut 25 km kürzer war als die beiden anderen Alternativen zwischen Hagenow und Kiel, nahm der Kaiser seitdem immer den Weg durch Hollenbek und Schmilau, wenn er von der Reichshauptstadt zum sog. "Reichskriegshafen", z.B. zur Kieler Woche, reisen wollte. So kam die Strecke auch zu ihrem Namen "Kaiserbahn".
Doch noch ein bisschen wichtiger als der Faktor "Zeitersparnis" war die Sicherheit des Staatsoberhauptes: Aus Angst vor Attentaten weigerte sich Wilhelm II manchmal, über die Kanalbrücke bei Berkenthin zu fahren. Dafür nahm er dann doch einen Umweg über Lübeck in Kauf.

1952 wurden die Gleise seitens der DR von Zarrentin bis zur deutsch-deutschen Grenze abgebaut, sodass von Ratzeburg kommend nur noch 13 km Bahnstrecke lagen, die durch sehr dünn besiedeltes Gebiet führte, bevor sie dann im Nirgendwo endete - eben die heutige Draisinenstrecke. Während durch die DB zwischen Hollenbek und Mölln nur noch für einige Jahre ein kleiner Personenzug ("Hein Hollenbek") fuhr, bevor in den 1960er Jahren jeglicher Bahnverkehr auf dieser Strecke eingestellt und auch diese Gleise zurückgebaut wurden, wurde an der Strecke zwischen Ratzeburg und Hollenbek noch lange festgehalten.
Der Personenverkehr wurde hier anfangs noch mit einem kleinen Personenzug aufrecht erhalten. In den 1950er Jahren dann wurden Haltepunkte in Klein Zecher, Hakendorf, Sterley und Althorst neu eingerichtet und zusätzlich zu den Bahnhöfen Schmilau und Hollenbek mit Schienenbussen bedient. . Diese "Ferkeltaxen" rentierten sich etwa noch ein Jahrzehnt, ab Mitte der 1960er Jahre wurden die Dienststellen in Hollenbek und Schmilau aufgelöst und keine Fahrkarten mehr verkauft.

Die Demontage der Gleise auf dem Gebiet der DDR von Zarrentin bis zur Grenze erfolgte 1952. Während der Personenverkehr auf dem westlichen Abschnitt zwischen Ratzeburg und Klein Zecher bereits zum 03.09.1962 stillgelegt wurde, fuhr der letzte Personenzug zwischen Hagenow und Zarrentin erst im Mai 2000.

Doch auch heute noch liegt ein Trassensicherungsvertrag auf der Strecke, mit dem die Landesregierung Schleswig-Holstein den Eigentümer daran bindet, die Strecke als Bahnstrecke weiter zu erhalten. Hintergrund ist die Tatsache, dass es heutzutage ungeheuer schwierig und langwierig geworden ist, eine neue Bahnstrecke zu planen und zu bauen. Aber gerade diese Strecke hat ein großes verkehrspolitisches Potenzial, wenn man die Planungen zum Brückenbau der "Große-Belt-Querung Fehmarn-Rødby" betrachtet und die damit verbundenen möglichen neuen Güterströme aus Skandinavien kommend, die sinnvollerweise über diese Strecke Richtung Berlin und Richtung Osteuropa rollen könnten. Ganz realistisch wird eine Wiederbelebung der Strecke als Eisenbahnstrecke im Zeitfenster um 2012 bis 2017 angestrebt.

MEV Rostock

Dr. Wolfgang Kabatzke

05.06.2007