Jahresausflug des MEV
2008 - Fahrt mit der DB und UBB nach Swinemünde am 27.09.2008
Am 27.09.2008
starteten die Freude Lothar Schultz, Wolfgang Schwichtenberg und Dr.
Wolfgang Kabatzke zu einer Bahnreise mit der DB und UBB auf direktem
Wege nach Swinemünde (pol.: Świnoujście) via Stralsund, Züssow, Wolgast und Heringsdorf.
Für diese fahrt nutzten
wir das günstige Mecklenburg-Vorpommern-Ticket. Im Vorfeld gab es
viel Hin und Her mit dem Eröffnungstermin der Strecke. Im strengen
Sinne des Worten handelt es sich um eine Wiederinbetriebnahme einer
stillgelegten Strecke,
denn
bereits am 15.5.1876 gab es den Bahnanschluss von Ducherow nach
Swinemünde HBf mit einer Streckenlänge von ca. 40 km.
Dadurch enstand eine Direktverbindung von Swinemünde nach Berlin
mit der Eisenbahn über Karnin. Diese Strecke wurde am 1.7.1894
nach Heringsdorf verlängert. Die Strecke von Wolgast nach
Heringsdorf wurde am 1.6.1911 eröffnet,
jedoch als Nebenbahn. Dabei behielt der Bahnhof Heringsdorf aus wohl
Kostengründen den Charakter eines Kopfbahnhofs. Die Strecke von
(Berlin)-Ducherow-Swinemünde-Heringsdorf hatte immer den Charakter
einer Hauptbahn. Sie wurde anfänglich eingleisig gebaut mit der
Option einer zweigleisigen Ausbaumöglichkeit. Der zweigleisige
Ausbau der Strecke von Ducherow bis Heringsdorf erfolgte dann 1907/1908.
ex. DR-LVT als Reserve abgestellt in Heringsdorf (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges
und den neuen Grenzfestlegungen durch die Allierten entstand auf der
Insel Useom ein reiner Inselbetrieb. Swinemünde wurde
polnisch, die Bahnstrecken zwischen Swinemünde und Karnin wurden
demontiert. Hinzu kommt dass die Karniner Hubbrücke in den letzten
Kriegstagen durch die Wehrmacht am 28.4.1945 gesprengt wurde. Dadurch
gab es keine feste Zugverbindung mehr zwischen der Insel Usedom und dem
Festland.
Historischer Personenwagen III.Klasse in Heringsdorf (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Im Zuge des geeinten Europas wurde
der Wiederaufbau der Strecke in Angriff genommen. Massgeblich wurde
dieses Projekt durch die UBB, aber auch durch die DB AG und
Bürgerbewegungen auf beiden Seiten der Grenze getragen.
Als erster
Schritt wurde dazu ab dem 5. Oktober 2007 die Verlängerung von Ahlbeck
Grenze nach Swinemünde in Angriff genommen. Für rund drei Millionen
Euro entstanden eine 1,5 km lange Bahnstrecke und ein neuer, zweigleisiger
Bahnhof Świnoujście Centrum. Die Bauarbeiten wurden im April 2008 weitgehend
abgeschlossen; ein erster Probezug hatte die Strecke bereits am
14. Februar 2008 befahren. Die Aufnahme des
planmäßigen Betriebs wurde jedoch aufgrund ausstehender Genehmigungen mehrfach
verschoben. Die zeitweise angekündigten Termine 8. Juni bzw. 1. Juli
2008 konnten nicht gehalten werden. Am 20. September 2008
konnte die Strecke nach den monatelangen Verzögerungen von polnischer Seite
freigegeben werden. Auch auf polnischer
Seite war man mit der schleppenden Arbeitsweise des Warschauer
Eisenbahnverkehrsamtes UTK unzufrieden.
Mit der Bahn von Usedom nach Usedom - von D nach PL (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Der heutige Bahnhof Świnoujście
Centrum (heute km 202,8) liegt auf dem Planum der ehemaligen Strecke
etwas westlich des alten Bahnhofs Swinemünde Bad (km 202,5). Dieser Bahnhof
existiert heute nicht mehr. Die Lage ist in der Nähe der heutigen
ul. Grunwaldska anzunehmen. Dieser Bahnhof garantierte den
kürzesten Weg zum Strand! Und dies ohne Auto etc.
Bahnhof Swinemünde Bad historische Ansicht (Sammlung Dr. Wolfgang Kabatzke)
Durch die in den Jahren nach 1945 erfolgte Bebauung in Swinemünde
ist eine direkte Fortsetzung auf dem alten Planum über
Swinemünde HBf (km 200,96) und Garz (km 196,67) bis Karnin (km
174,23) und Ducherow (km 163,19) auf dem ursprünglichen Verlauf
der Strecke nicht möglich.
Ankunft in Swinemünde Centrum Gleis 31/32 (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Auf den Spuren der alten Bäderbahn haben wir uns nach der Ankunft
in Swinemünde auf die Suche begeben. Nach ca. 20 Minuten
Fussmarsch konnten wir die baulichen Reste des ehemaligen Bahnhofs
Swinemünde HBf entdecken. Die Architektur reiht sich ein in
den Baustil vieler Bahnhöfe der ehemaligen preussischen Staatsbahn
(wie z. B. Züssow, Greifswald, Wolgast, Stettin...).
Swinemünde HBf alte Ansicht (Sammlung Dr. Kabatzke)
Swinemünde HBf hatte auch den Charakter eines zentralen
Bahnhofs auf der Insel Usedom. Nachweislich gab es Züge
für den Berufsverkehr zwischen Herigsdorf und Swinemünde HBf
und Heringsdorf und Durcherow. In Swinemünde HBf befand sich
ein 12-ständiger Ringlokschuppen mit Behandlungsanlagen für
Dampflokomotiven. und einer 20m-Drehscheibe. Vorrangig fuhren auf Usedom die Baureihen 17, 38, 55
und 78. Beheimatet waren in Swinemünde vorwiegend die schnellen
und wendigen Tenderloks der BR 78. Der Streckenverlauf von der
Karniner Brücke bis Swinemünde HBf verlief bzw. verläuft
im Wesentlichen geradlinig. In der Ortslage von Swinemünde gab es
enge Kurven die der bereits bei der Eröffnung der vorhandenen Bebauung
geschuldet werden mussten. So war die Ausfahrt aus dem Swinemünder HBf
breits in einer starken Linkskurve. Weiterhin gab es eine starke
Linkskurve vor der östlichen Einfahrt des Bahnhofs Swinemünde
Bad. Es gab Projekte die einen neuen Hauptbahnhof Swinemünde
vorsahen und Streckenbegradigungen eingeplant hatten. Die Bauarbeiten
wurden begonnen, aber wurden infolge des Zweiten Weltkrieges nicht mit
Priorität verfolgt und wurden daher nicht fertiggestellt. Einen
weiteren Aufschwung in der Bedeutung des Bahnverkehrs auf Usedom, und
damit von Swinemünde HBf, brachte der Ausbau des
Raketenversuchsgeländes bei Peenemünde.
Ansicht Swinemünde HBf heute - Gleisseite (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
In dem Gebäude des alten Swinemünder HBf befand sich viele
Jahre eine Baufirma. Dies hat dem Gebäude das Überleben
gesichert. Interessant ist dass das Bahnsteigdach des Hausbahnsteiges
noch in seinem Grundgerüst bis heute steht.
Swinemünde HBf Empfangsgebäude heute - Strassenseite mit
Bahnhofsvorplatz (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Mit der Abspaltung von Teilen von Westpreussen und Posen von
Deutschland nach dem ersten Weltkrieg wurde der "Seedienst Ostpreussen"
eingeführt. Einer der wichtigen Anlegepunkte hierfür war
Swinemünde. Es gab eine in einer starken Rechtskurve aus dem
Swinemünder HBf heraus verlaufende Gleisverbindung zum
Seedienstbahnhof mit einer Länge von ca. 2km. Die Gleise verliefen
hinter Häusern und wurden auch im Hafenbollwerk verlegt. Im Zuge
des weiteren Wiederaufbaus von Swinemünde in den letzten Jahren sind die Gleise entfernt
worden. Wir haben versucht Reste zu finden und sind fündig
geworden. Kurz nach der Stadtfähre nach Ost-Swine haben wir die
Reste ausgebauter Rillenschienen und Weichen entdeckt.
Nach dem angstregten Marsch durch Swinemünde haben wir uns in der
Marina von Swinemünde ein wunderbares Mittag gegönnt. Die
Marina befindet sich im ehemaligen Militärhafen auf der Usedomer
Seite von Swinemünde. Die Gastronomie dort ist sehr zu empfehlen - rustikal uns sehr gut!
Stadtfähre von Swinemünde nach Ostswine (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Am Nachmittag ging es dann zurück zum Bahnhof Świnoujście
Centrum um nach Rostock retour zu fahren. Interessant ist die
Nummerierung der Gleise mit 31 und 32. In der Presse etc. gibt es viele
Mutmassungen. Es scheint jedoch so zu sein dass die Nummerierung der
Gleise daran hängt, dass es bei der UBB Stellwerke für mehrere
Bahnhöfe gibt. So gibt es in Swinemünde eben Gleis 31
und 32.
Die Rückfahrt erfolgte dann über Züssow, Stralsund nach
Rostock. Eine Sache ist uns aufgefallen die sich vor allem die DB-AG
überlegen sollte. Alle Verkehre auf der Insel Usedom werden mit
Ausnahme eines Flügelzuges nur mit Regio-Zügen abgefertigt.
Selbst nach Berlin Zoo laufen Fahrzeuge aus dem Regio-Park der DB-AG.
Das mag alles wunderbar für die Kostenrechnung sein, ist aber
für Fahrgäste eine Frage des Reisekonforts. Auch das viele
Umsteigen macht Bahnfahren in McPomm nicht immer zum Erlebnis. Konnte
man zu DR-Zeiten von Wismar bis Wolgast in einem Zug durchfahren, muss
man heute vielfach umsteigen und auch die Bahngesellschaften wechseln.
Wäre es da im Sinne des Bahnreisenden nicht doch wieder eine
Überlegung wert Zugläufe zu optimieren? Wie will die Bahn es
sonst schaffen Reisende aus dem PKW zu holen?
Bleibt noch die Frage offen wie es mit diesem Projekt auf Usedom
weitergehen wird. Fakt ist: In Swinemünde Centrum ist Schluss. Ca.
100m hinter dem Bahnhof im alten Planum sind Häuser gebaut bzw.
werden neue Häuser gebaut.
Interrsant wird es dann wenn man auf polnischen WWW-Seiten sucht. Dort gibt es folgende Grafik zu entdecken.
verschieden Pläne zur Gleisanbindung von Usedom an das deutsche Bahnnetz
Auf dieser Karte ist mit roter Farbe die Strecke von Heringsdorf nach
Ahlbeck Grenze zu sehen. Diese wurde bis Swinemünde Centrum großteils auf
alter Trasse verlängert. Es wird wohl eine grüne Trasse
entlang der deutsch-polnischen Grenze geben die dann auf die alte
Trasse nach Garz einschwenken wird. Swinemünde Centrum wird dann
über ein Gleisdreieck zu erreichen sein.
Interessant sind die nicht farblich hervorgehobenen Verbindungen die
nach Ostswine laufen. Dieses sind Forderungen der polnischen Seite nach
einer festen Bahnverbindung von Ostswine über Kaseburg (Karsibor)
Swinemünde Centrum bzw. Garz. Wer soll dies bezahlen?
Natürlich die EU und vornehmlich Deutschland. Nur, ist Polen nicht
auch Mitglied in der EU und sind Leistungen nicht durch alle Mitglieder
zu erbringen? Fragen und keine Antworten .....
Warum tut sich die Polnische Regierung so schwer einen solchen - auch
privilegierten Zugverkehr genannt - Verkehr zu dulden und zu
genehmigen? Es gibt bereits viele Jahre solche Verkehre zwischen D und
CZ, aber auch zwischen D und PL im Südosten und Süden der
BRD. Der Aufbau des Verkehrs ist für beide Seiten
förderlich, d.h. für Deutschland UND für Polen, oder?
Die neue Tfz-Halle der UBB in Heringsdorf (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Swinemünde Centrum Ausfahrt Richtung Ahlbeck (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Mit der DB AG und Regio-Triebwagen nach Berlin Zoo (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Mit der DB AG und dem RE3 von Züssow nach Stralsund HBf (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
Mit dem DB-FLIRT von Stralsund HBf nach Rostock HBf (Foto Copyright (c) Dr. Wolfgang Kabatzke)
MEV Rostock
Dr. Wolfgang Kabatzke
08.02.2009